Was ist Lactoferrin?

visibility886 x angeschaut comment0 comments person Geschrieben von: Therese Schwalenberg list In: Citicolin & Lactoferrin

Wenn uns das letzte Jahr eins gezeigt hat, dann wie wichtig ein starkes und optimal funktionierendes Immunsystem für unser alltägliches Leben ist. Während ein Großteil der Bevölkerung sehr auf eine ausreichende Versorgung von zum Beispiel Vitamin D oder Zink achtet, gibt es trotzdem einen Nährstoff, der im Zusammenhang mit unserem Immunsystem sehr oft vergessen wird – das Lactoferrin.

Wie? Ihr habt auch noch nie von Lactoferrin gehört? Genau deshalb haben wir einmal für euch die wichtigsten Informationen zusammengefasst.

Was ist Lactoferrin überhaupt?

Lactoferrin ist ein Glykoprotein des menschlichen Immunsystems. Es wird von verschiedenen Zellen des Körpers gebildet und kommt in fast allen Körperflüssigkeiten der Säugetiere wie Speichel, Schweiß oder Tränen vor. Zudem ist es als immunologischer Bestandteil in Muttermilch in besonders hohen Konzentrationen enthalten. Daher ist seine Hauptaufgabe beim gestillten Säugling auch der Schutz des Immunsystems. Zumindest so lange, bis das eigene Immunsystem des Kindes vollständig entwickelt ist.

Da es auch bei Erwachsenen Bestandteil des körpereigenen Immunsystems ist, kann es zudem einen Einfluss auf Entzündungsreaktionen haben und so den Ablauf einer Entzündung beeinflussen (1). Nebenbei spielt es auch noch eine wichtige Rolle im Eisenstoffwechsel und kann dabei helfen, die Eisenverwertung zu aktivieren (2).

Auf diese Aufgabe kann man schon aufgrund des Namens schließen. „Ferrin“ ist das lateinische Wort für Eisen, während „Lacto“ Milch bedeutet. Damit besteht der Name Lactoferrin sowohl aus der Herkunft wie auch aus der wichtigsten Eigenschaft des Proteins.

Wie wirkt Lactoferrin auf das Immunsystem jetzt genau?

Das Immunsystem wird aufgrund von Lactoferrin durch seine immunmodulierenden Eigenschaften gestärkt. Dies geschieht, indem Lactoferrin verschiedene Immunzellen, wie z.B. T-Helferzellen, in die richtige Balance bringt (3). T-Helferzellen gehören zu den Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) und sind an der Immunantwort in unserem Körper beteiligt. Nur durch das Gleichgewicht aller involvierten Zellen kann unser Immunsystem optimal funktionieren.

Neben der Stärkung des Immunsystems kann Lactoferrin zudem unerwünschte Eindringlinge des Körpers schädigen. Es kann körperfremde Mikroorganismen wie Viren, Bakterien, Pilze und Parasiten angreifen. Da Lactoferrin in den meisten Flüssigkeiten vorhanden ist, werden antimikrobielle Aktivitäten z.B. in Schleimhäuten direkt registriert und eine entsprechende Entzündungsreaktion eingeleitet. Die Reaktion wird an die verantwortlichen Zellen im Körper weitergeleitet und durch die Immunantwort kann die Entzündung eingedämmt werden (4).

Genauso wichtig wie die Bekämpfung schlechter Bakterien ist die Erhaltung von guten und gesundheitsförderlichen Bakterien in unserem Stoffwechsel. Lactoferrin kann daher auch unser Mikrobiom bei seinem Wachstum unterstützen (5). Als Mikrobiom wird die Gesamtheit der auf und im Körper lebenden Mikroorganismen bezeichnet, die eine Körperbarriere für z.B. Viren und Bakterien darstellen. Ohne diese Barriere würde unser Körper überlaufen werden von Mikroorganismen, die dort eigentlich nichts zu suchen hätten. Daher ist ein optimal funktionierendes Mikrobiom so wichtig für unser Immunsystem.

Wie wir schon an dem Namen gesehen haben, ist Lactoferrin wichtig für die Verwertung von Eisen. Lactoferrin hat die Fähigkeit 3-wertiges Eisen zu binden, zu verteilen und abzugeben. So kann schädlichen Bakterien die Nahrungsgrundlage genommen und Immunzellen können regulatorisch unterstützt werden (6).

Warum sind Eisen und Lactoferrin so wichtig für den Körper?

Eisen ist für den Menschen ein lebensnotwendiges Spurenelement. Es ist dafür zuständig, den roten Farbstoff, das Hämoglobin, in den Blutkörperchen zu bilden. Hämoglobin ist jedoch nicht nur für die Farbe der Blutkörperchen, sondern auch für den Transport von Sauerstoff in unserem Körper verantwortlich. So kann der Sauerstoff vom Blut in unsere Gewebe gelangen. Da das Lactoferrin das Protein ist, welches das Eisen bindet, ist es auch maßgeblich an dem Prozess beteiligt.

Eine weitere wichtige Aufgabe von Eisen ist die Entgiftung des Körpers. Bei einer vorhandenen Entzündung im Körper werden Entzündungsstoffe ausgeschüttet, welche wiederrum die Freisetzung und den Transport von Eisen im Blut verringern. Durch das entstehende Ungleichgewicht kann das Immunsystem geschwächt werden und die Entzündung weiter fortbestehen. Das nun nicht verwendete Eisen kann dadurch dem Körper dadurch auf zwei Wegen Schaden zufügen. Erst einmal wird Eisen benötigt, um eine Immunantwort zu erzielen und dadurch die Entzündung zu bekämpfen. Zweitens kann freies, also ungebundenes Eisen die Entzündung noch verstärken, da es oxidativen Stress verursacht (6).

Da Lactoferrin als Antioxidans fungiert, kann es das freie Eisen einfangen und damit den oxidativen Stress verringern. Zudem kann Lactoferrin durch die Bindung dafür sorgen, dass das Eisen dorthin transportiert wird, wo es benötigt wird. Durch das dadurch wieder entstehende Gleichgewicht können Eisen und Lactoferrin zusammen die Entzündung unterbinden und das Immunsystem stärken (2).

Wie kann ich Lactoferrin aufnehmen?

Lactoferrin wird bei uns im Körper selbst gebildet. Ein großer Teil des verwendeten Lactoferrins stammt daher direkt von uns. Über Lebensmittel kann Lactoferrin zusammen mit Milch aufgenommen werden. Da es ein sehr widerstandsfähiges Protein ist, überlebt es häufig das saure Milieu des Magens. Je nachdem ob es im verzehrten Lebensmittel an Eisen gebunden vorliegt, gelangen 60 – 80% des Lactoferrins in den Darm, wo es absorbiert wird. Ein Teil des verzehrten Lactoferrins wird zudem schon von Magenenzymen wie Pepsin verdaut und kann auch auf diesem Weg seine antimikrobielle Aktivität entfalten (4).

Besteht die Notwendigkeit, eine standardisierte Menge Lactoferrin zu verzehren, können Nahrungsergänzungsmittel von Vorteil sein. In den Supplementen liegt Lactoferrin in einer Kapsel eingebettet vor.

Wie wird das Lactoferrin in Supplementen hergestellt?

Das Lactoferrin in Supplementen wird schonend aus entrahmter Kuhmilch (Molke) gewonnen, damit die physiologische Aktivität beibehalten wird. Durch den Einschluss des hochkonzentrierten Pulvers in eine Kapsel, wird Lactoferrin im Magen ausgeschüttet und dann dorthin weiter transportiert, wo es aufgenommen wird – im Dünndarm. So hat es die Möglichkeit, zuerst sein antimikrobielles Spektrum im Magen zu entfalten und dann im Darm ins Blut aufgenommen zu werden.

Wie ihr also seht, ist dieses kleine Protein an sehr vielen verschiedenen Stoffwechselwegen im Körper beteiligt und trotzdem noch relativ unbekannt. Wir hoffen natürlich, dass dies nicht so bleibt und halten euch daher gerne hier über Lactoferrin, aber auch andere wichtige Vitalstoffe unseres Körpers auf dem Laufenden.

Quellen

(1) Hunter P (2012). The inflammation theory of disease. The growing realization that chronic inflammation is crucial in many diseases opens new avenues for treatment. EMBO reports; 13: 968–970.

(2) Sánchez L, Calvo M, Brock JH (1992). Biological role of lactoferrin. Archives of disease in childhood. 67: 657–661.

(3) Kruzel ML, Zimecki M, Actor JK (2017). Lactoferrin in a Context of Inflammation-Induced Pathology. Frontiers in Immunology; 8.

(4) Siqueiros-Cendón T, Arévalo-Gallegos S, Iglesias-Figueroa BF, García-Montoya IA, Salazar-Martínez J, Rascón-Cruz Q (2014). Immunmodulatory effects of lactoferrin. Acta Pharmacologica Sinica; 35: 557-566.

(5) Chen PW, Ku YW, Chu FY (2014). Influence of bovine lactoferrin on the growth of selected probiotic bacteria under aerobic conditions. Biometals: an international journal on the role of metal ions in biology, biochemistry, and medicine 2014; 27: 905–914.

(6) Eid R, Arab NTT, Greenwood MT (2017). Iron mediated toxicity and programmed cell death: A review and a re-examination of existing paradigms. Biochimica et biophysica acta. Molecular cell research; 1864: 399–430.

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